[Codex Altenburgensis AB 15 E 6. fol. 119r - 156v. Saeculum 16 (1505)]



[Prologue]


(119r) DEr Anfanckh der Regel des heiligen vatter Sand Benedicten.

Die vor Red In der selbigen heiligen Regel Sand Benedicten.


1 HÖr o Tachter die gepot deines Mayesters. vnd nayg das oren deines hertzen, vnd die manumb des guettigen vatters geren enphach und volkömenleich verpring,


2 Das du zw dem selbigen durch die Arbait der gehorsam widerumb chumbst, von dem du durch dy Trackhait der vngehorsam enttwichen pist.


3 zw dir wirt nun gericht mein red. Welliche du pist ein widersagerin deinen aygnen willen. vnd Wilt dÿennen dem waren kunig. vnd herren Christo Ihesu. vnd dy aller sterckisten und gar clarew1 waffen der gehorsam an dich nymbst.


4 Zw dem ersten was du guetter ding zethuen anhebst. sol du pitten mit fleissigistem pett von im zeuolpringen.


5 Also dass er der uns genädigkleich gezelt hat in seiner kinder czall. nicht zu ettleicher czeit wert betrübt von vnsern pösen werchen.


6 Also ist Im in vns zw allen zeitten von seinen gutten werchen zu gehorsam sein. das er nicht etwan als ein czorniger vatter sein kind enterb.


7 auch nicht als ein varchtsamer herr wert geraitzt mit vnsern pössen werchen. vns als dye pösshaffitigisten diererin geb zu den ewigen pein. dy Im nicht nachuoligen haben wellen zw der ewigen glori.


8 Darumb. Wir sullen auf sten. wan uns dy geschrift weckht und spricht. Es ist (119v) nun czeit dass Wir auf sten sullen von dem sch<l>aff


9 vnd mit unseren offen augen zw dem göttleichen liecht. vnd mit erschrachten oren sullen wir hören was tägleich rueft dy göttleich stÿm vnd mandt vns vnd spricht.


10 Ob ir heut hört sein stim. So scholt Ir nicht erhertten ewer hertz.


11 Vnd anderswo spricht dÿ geschrifft. Der da hat oren zehören der hör was der heilig geÿst sprech zu der christenhait.



12 Nun was spricht er. Chomt her Ir Tachter vnd hört mich. des herren varicht die lern ich ewch.


13 Lauft dÿ weil ir das liecht des lebens habt. dass ewch dÿ vinster des todes icht begreyffe.


14 Vnd suecht der herr in der menig seines volks ain werchmanin. zu der er rueft vnd abersand spricht.


15 Wer ist der mensch der will haben das leben und begert zesehen guett tag.


16 Ob du das hörst und gibst antwurdt. Ich. So spricht zu dir got.


17 Wild du haben das war und ewig leben. so beczwing dein czungen von dem vbel. vnd dein lebss das sÿ icht reden unczimbleichs oder betruegnuss. Cher dich von dem pösen. vnd thue das guet. Suech den frid, vnd ualg Im nach.


18 Vnd wer ir das thuen werd. so sind meinew augen vber ewch. vnd meine oren offen zu ewren petten. vnd ee Ir mich anrueft. so sprich ich. secht ich pin hie.


19 Ir allerliebsten swestern. was ist vns nun süesser der stim unsers herren. dÿ vns also eruadert.


20 Nembt war vnser herr auss seiner guettigkait erczaigt vns den weg des ewigen lebens


21 Darumb. Wenn wir mit dem gelauben vnd mit der behaltnuss gueter werich vnser lennd auf gegurdt haben. so sullen wir geen durch die lauttung des heÿligen Ewangelÿ sein weg. Also dass wir verdiennen (120r) In zesechen der uns geuadert hat in sein Reich.


22 Wellen wir nun wonum haben in dem Tabernacl seines reichs. so mugen wir da selbig hin nicht komen. nur wir lauffen darzue mit gueten werchen.


23 Aber fragen wir den herren mit dem weisagen Dauit vnd sprechen zw Im. Herr wer wirt Wanun haben in deinem tabernacl. Oder wer wirt ruen auff deinum heiligen perg.


24 Nach der selben frag. hör wir swestern vnseren herren der vns antwurdt. vnd auch zaig den weg zu seinem tabernacl


25 und spricht. Wer der ist der Inget an mail. vnd wurcht dÿ gerechtigkait.


26 Der da redt dÿ warhait in seinen hertzen<n>2. vnd nicht verpringt dÿ untrew in seiner zungen.


27 Der seinen nagsten kain vbel thuet. Wer kain scheltwort nicht auff nÿmbt wider seinen nachsten.


28 Der den pösen tewfel der in pösew ding rätt. mit sampt seinen schedleichem rat von den angesichten seines hertzen vertreibt. vnd sein night hat acht. vnd sein krannckh gedänckh hat gehalten. vnd hat dÿ czerprochen an christo


29 Dÿ got furchtendt. vnd sich nicht erhebent von Irr guetter behaltnuss. Aber sÿ merckhen das dÿ guetten werich got wurch in Inn. vnd von in selben nicht möchten verpracht werden.


30 vnd loben vnd erhöhen den herren der dÿ güettew3 werich in yen volpringt, vnd sprechen mit dem weÿssagen. Herr gib die er deinem namen. vnd nicht vns.


31 Als hat than sand paulus der Im von seiner ler nichts nicht tzue geaÿgnad do er sprach. Von der genaden gottes pin ich das ich pin.


32 Vnd aber spricht er. Wer sich wel rüemen der rüem sich in got.


33 Vnd dauon spricht unser herr an dem ewangelÿ. Wer meinen wort hört und verpringt die selbingen. den geleich ich zue ainem weÿssen (120v) Mann. der sein haws gepawdt hat auf ain Felss4.


34 Es komen die wasser und weeten die winntt. vnd stÿessen in das haws. aber es viel nicht. Wan es was gepawdt auff ainen felss5.


35 Die allain hat volpracht vnser herr. vnd wardt vnser tägleich, das wir seinen heiligen monung anttwurten mit den werchen.


36 Vnd darumb sind vns verlichen die täg des lebens zu erpesserung unser sündt.


37 als do spricht der heilig sand paulus. Waistu nicht das dich die gedult gottes schickht zu der puess.


38 Wan es spricht der güettig herr. Ich will nicht den tod des sünders. Sonnder das er sich becher und leb.


39 Do wir nun vil lieben Swestern vnsern herren gefragt haben von dem Inwaner seines tabernackls da haben wir gehört das gepot der selbigen inwonung. Nun ist das wir volpringen des inwaner ampt. so werd wir erben des reichs der himel.


40 Darumb sullen wir beraitten vnserew hertz vnd leichnam zu einer ritterschaft den gepoten der heiligen gehorsam.


41 Vnd was die natur an vns nicht hat mügleichs. des sullen wir gott pitten. dass er vns des geb von der hilf seiner genaden.


42 Vnd ob wir wellen entweichen die pein der hell. Vnd komen zw dem ewigen leben.


43 die weill wir sein stat haben. vnd die weÿl wir in dem leben seinn. die weil wir es in disem leben megen volpringen.


44 ist vns zelauffen vnd zewürchen. das vns ewigkleich frum.


45 Vnd darumb soll von vns gesetzt werden die schuel des diensts vnsers herren.


46 in der wir nichts nicht scharffs. vnd nichts nicht swäres wellen setzen des wir hoffen.


47 Aber und ob wir ein wenig ichts strenchleicher (121r) auss der venuft der gerechigtkait setzen durch pesserum der laster. vnd behaltnuss der lieb.


48 Darumb solt du nicht zu hand erschrickhen. vnd fliehen den weg des hails. der nicht nur mit einem engen anfanckh an zu heben ist. Aber nach dem lauff. des lebens vnd des gelauben. wenn sich das hertz auss gepraidt hat. in die süess der göttleichen lieb. so wirt gelauffen der weg der göttleichen gepott.


50 Also das wir von seiner Maÿestershaft nÿmmermer entweichen. vnd In seÿner ler vntz in den tod beharren in dem kloster. Also das wir tailheftig werden des leydens christi mit der gedult. das wir verdiennen. vnd gesellen werden seines reichs. Amen.


Notes to Prologue

1. P:3. Sic! The Altbg editor often writes -ew as a plural adjectival marker instead of what one would anticipate, an -en as found in Modern Standard German (ModStG) plural adjectives preceded by der- or ein- words. This would certainly derive from the MGH -iu ending, thus clariu.

2. P:26. Ms. shows a nasal bar with small superscript "n" over the regular "n", the last letter of hertzen.

3. P:30. Sic, as noted earlier in P:3.

4. P:34. Letter "ss" crossed out between "l" and first "s".

5. P:34. Letter "ss" crossed out between "l" and first "s".




[Chapter 1]


Von den vier gesclechten der Geÿstlichen Iunckfrawen. das Erst Capitel.


1 DAs vierlay gesclächt sein der geistlichen Iunckfrawen das ist offenbar.


2 das erst ist der Cenobitin. das sindt closterlewt. die da dienendt got vnder der Regel. oder vnder der Abttessÿnn.


3 Das ander gesclecht das haÿst anachoretin. das sind Aÿnsidli die nicht mit der hitz aines newens anfangs Sonnder mit tägleicher bewarung des closters


4 habent gelerent wider den Tewfel vechten.


5 vnd wol unterweÿst auss swesterleicher schar oder scherff6 sich geben zu besunderleichem streidt der wüest. sicher yetz und an der andern trost. Allain mit der hant oder mit dem (121v) arm wider die poshait des leibs vnd der gedanckhen wol kunnem vechten mit der hilff gottes.




6 Das dritt gesclecht der geistlichen Iunckfrawen. Ist das aller pössist. sind Sarabaitin. die von kainer regel oder bewarung der Maÿesterin. als das golt in dem offen pewerdt sind. Sonnder sein sy waycher natur als das pleÿ.


7 noch mit den werchen behalten der weldt Ir trew vnd liegen got mit der kron oder mit dem bescheren.


8 Die selbander oder selbs dritt. oder besunder in yeren aygen hewslein an ain hörterin versperdt sind. Vnd nicht in den gottleichen czellen. die wollustigkait ir<e>7 begir ist yen ain gepott.


9 Wann was sÿ schäczen oder erwellen. das haissen sy heilig. vnd wass sÿ nicht erwellen das mainen sÿ sein vnczimleich.


10 Das vierdt geschlecht der geistlichn Iunckfrawen haÿst der vmbgeerin. dy in gantzem Irem leben durich manigew lanntt. drey oder vier tag gest sind in maniueltigen zellen oder closteren.


11 Albeg vnstädt vnd nymer stätt. vnd irselbs wollustigkait vnd vnsauberchait der frashait dienen. vnd als dings sind pöser dan dy vorgenannten sarabaitin.


12 Von der allen. allerpösistem leben ist pesser zesweigen. dann zereden.


13 Die lassen wir all vnder wegen. vnd mit gottes hilf chomen wir zu ordden das allersterckhist geschlecht der closter Iunckfrawen.


Notes to Chapter 1.

6. 1:5. The "e" of scherff has superscript lowercase "o".

7. 1:8. Ms. shows the letters "irr" ending with a hooked letter resembling a "l", therefore postulated as genitive singular feminine irer, e.g., ModStG "ihrer".



[Chapter 2]


Wer die Abttessin sol sein. Das ander Capitel.


1 BIe8 die Abttessin die wirdig ist zuuebes<ser>n das closter. sol albeg gedenckhen. was sÿ genandt wirt. vnd den namen ainer vorgeerin mit den werchen erfullen.


2 Wann als es wirt ge<g>laubt. sÿ verwest dÿ statt (122r) Christi in dem Closter. Wann sÿ nach seinem nam genant wirt.



3 Als sand Paulus spricht. Ir habt enphangen den Geÿst der erbellung9 der kinder vnd der töchter gottes. in dem wir schreÿen fraw mueter.


4 Vnd darumb sol die Abbtessyn nichts nicht lernen setzen. oder pieten wider die gepott unsers herren.


5 Sonnder Ir geschefft oder Ir ler soll sein ein vrhab der gottleichen gerechtigkait in den hertzen Irer vnttertänigen.


6 Albeg soll die Abttessin betrachten und gedenckhen. das sÿ vmb payd sach Irr10 ler. vnd der Jüngerin gehorsam vor dem vorchtsamen gericht gottes. Muess anttwurten.


7 Und soll auch wissen. das es Ir schuld ist. Was unnutz die hawswirtin an iren schefflein mag vinden.


8 Sÿ wirt auch ledig vnd freÿ. ob der vngestümen vnd ungehorsamen hertt. aller fleÿs der herterin enpoten wirt. und ÿenn lästerleichen werchen allew sarg geraicht wirt.


9 so ist ir herterin ledig vor dem gericht gottes. vnd mag sprechen hintz Im mit dem propheten. Dein gerechigkait hab ich nicht v<er>pargen in meinem hertzen. dein warhait vnd dein hail hab ich Inn gesagt. aber sy haben mich verschmacht11.


10 so wirt zum lesten den vngehorsamen schefflein von Irr12 pfleg der starckh todt geschetzet zu einer pen.


Ain czertaÿlung des Capitel13.


11 DArumb Wenn aine emphecht der Abttessin namen. die soll mit czwiueltiger ler Iren untertanen vor sein.


12 das ist alle guettew und heyligew ding. mer mit den werchen. dan mit den wordten erczaigen. das sy den willigen Jünngerin. vnd den verstentigen die gepot gottes fürleg mit den wordten. Aber den hortten hertzen und den ainualtigen die selbigen erczayg mit den werchen.


13 Vnd alles das. das sy dy Jünngerin lernnt. (122v) unczimlich zesein. das sol sÿ ertzaigen mit den werchen nicht zethuen sein. Also das sÿ icht widerczem erfunden werd. vnd wenn sÿ den anderen predigt und versagt.


14 das got zu Ir sunder icht sprech. Warumb lernst du mein gerechtigkait vnd nymbst mein geschäft in deinen mund. du hast gehasst die zucht und hast zeruckh gewarffen meine wort.


15 vnd du hast gesechen die vesen in deiner swester augen. vnd sachst nicht den Tram in deinen augen.


16 Chain person sol von dir unterschaiden werden.


17 nicht mer eine lieb haben dann die anderen. Nur wenn sy vindt aine die pesser ist an gueten werchen vnd an der gehorsam.


18 Die Edel sold nicht fürgesetzt werden für die. die sich bechert hat von dem dienst. es sey dan ein andrew vernuftige sach.


19 Vnd ist das, dass dy gerchtigkait dasselbig erfodert. vnd die Abttessÿn guet gedunckht. So thue sy es also von ainem yegleichem orden. Ist des nicht. so halten sy Ir aygen stet.


20 Wenn es sey der knecht oder der herr. so seÿ wir doch ains in christo. Und tragen ain geleiche rittershafft des dienst unsers herren der ain person nicht nÿmbt für die anderen.


21 Allain an dem tayll werden wir underschaydet bey Im. ob wir pesser den die anderen an guetten werchen. und dyemütig werden erfunden.


22 Vnd darumb von der Abttessin sol sein ein geleiche lieb zu allen Iren vntertan. vnd erpotten soll werden allen nach verdienn die zucht.


Die ander zertaÿlung des Capitel.14


23 IN Irer ler sol die Abttessin behalten des czwelfpoten form da er spricht also. Straff. pit. vnd vnterweÿs.


24 das ist. Misschs ain zeÿt mit der andern. die lindigkayt mit der schreckhung. Erczaig ain horten wil (123r) len ainer Mayesterin vnd ain güettige begir ainer mueter.


25 das ist. das sÿ dye unczogen. vnd die vnrübsamen hertigkleich straffen soll. Aber die gehorsamen vnd die senfften. vnd die gedultigen sol sÿ pitten. das sÿ in guetten werchen, zunemen. Aber die vnfleÿssigen vnd die verschmecherin straff vnd pesser des monen wir seÿ.


26 Sÿ soll auch nicht vbersehen die sünd des missetat. sunder zehant wenn sÿ beginnent auff zegeen. nach Irem vermugen soll sÿ die von der wurtzen abschlachen. und gedecken des vnfleÿss Helÿ des priesters von Sÿlo.


27 vnd die erbern vnd verstentigen gemüet. straff sÿ zu der ersten oder zu der anderen monung mit wordten.


28 Aber die pösen vnd die herten hertzen die hochuertigen vnd die vngehorsamen soll sÿ becwingen an dem anfanckh der sünd mit chestigumb der sleg vnd des leibs, wiss das geschriben stet. Der vnuerstentig wirt nicht gepesserdt mit worten.


29 Vnd aber so. Slach sein tachter mit der gerten. so erledigist Ir sel von dem todt.


DIe dritt Auftaylung des Capitels15.


30 DIe Abttessin soll albeg gedenckhen was sÿ seÿ vnd soll gedenckhen was sy genandt ist vnd sold wissen. das von dem. dem vil enpholhen wirt. vil eruodert wirt.


31 vnd sÿ soll wissen. das sÿ ein swerew vnd ain hoche sach aufgenomen hat. die da iat regiren vill sell. vnd dienen manigueltigen sitten. Aine mit lindichait. aine mit straff. die anderen mit radt.


32 Recht als sÿ ainer ÿechleichen gelegenhait oder verstentigkait erchenndt. Also das sÿ sich schickh zu In allen. das sÿ nicht leÿd ein mÿndrung oder abnemung Irer schar die Ir beuolhen ist. Sonnder das sÿ sich (123v) Frew in der merung der guetten hertt.


33 Vor allen dingen. das sÿ icht übersech16 oder chlain schetz das hail der selen die Ir enphollen sind. vnd nicht mer sorg hab von den tzeergenckhleichen vnd irdischen dingen.


34 Gedenckh albeg das sÿ auffemphangen hat zu verantwurtten die sellen von den sÿ raÿttung muess thuen.


35 Vnd das sÿ sich vielleicht nicht ausred von mynder hab wegen. so gedenckh das geschriben stet. Suecht des ersten das himelreich vnd sein gerechtigkait. vnd die andern allew werden euch hin zu geben.


36 Vnd anderswo. Nichts nicht enprist den die got fürchtent.


37 Auch soll sÿ wissen. das die. die da auff nÿmbt sellen zu verbesen. sich beraitten sol zu raittung da uon zethuen.


38 Wiss auch fürwar vnd an czweiffel. das sÿ von als vil sellen. als sÿ vnder Irer pfleg Swestern hat. Raittung muess thuen an dem Jungstentag vnd auch darzue vmb Ir sel.


39 Vmd also wenn sÿ albeg fürcht die kunnftig verhörung des herters17 von den schefflein die Ir beuolhen sindt. Vnd sÿ Ir selber fürsiecht. wie sÿ die anderen verraitten will. So wirt sÿ sorgsam vmb Ir aÿgew raÿttum.


40 Vnd wenn sy den anderen von Irer monung pesserung raicht. so wirt sÿ selber gepesserdt von Iren sünden.


Notes to Chapter 2.

8. 2:1. Sic! The Altbg editor writes bie for ModStG wie.

9. 2:3. ModStG cognate equivalent: Erwählung.

10. 2:6. Sic! Possibly for "irr(en)". Cf 1:8.

11. 2:9. Ms. shows "u" superscript over "m" of verschmacht.

12. 2:10. Cf 1:8, 2:6.

13. 2:10/11. This section division not present within the Latin RSB.

14. 2:22/23. This section division not present within the Latin RSB. Cf 2:10/11.

15. 2:29/30. This section division not present within the Latin RSB. Cf. 2:10/11; 2:22/23.

16. 2:23. The letter ü is actually an umlauted "v" which cannot be replicated on this word processor.

17. 2:39. Ms. shows superscript "o" over stem vowel "e".


[Chapter 3]


Von der vodrum der Swestern zw dem Radt. Das dritt Capitel.


1 ALs offt man zeschaffen hat ettleiche vodrew ding in dem Chloster. so vader die Abttessin all die samnung. vnd sag was zethuen seÿ.


2 Vnd hör den radt der Swesteren. vnd betracht beÿ Ir selbs. vnd was Ir das pest gedunckht zesein (124r) das thue.


3 Darumb wellen wir all zu dem Ratt geuodert werden Wann vnser herr offt der Jüngsten offendt was das pest ist.


4 Aber also sullen die Swestern geben den rat. mit aller dÿemüetigkait. vnd sullen nicht freffleicht retten was sy das pest gedünckht.


5 Wenn ess soll als steen in dem willen der Abttessyn. vnd was sÿ für das pest scheczet in dem selbigen sullen sÿ Ir all gehorsam sein.


6 Doch als es zugepürdt den Jünngerin zegehorsam sein der Mayesterin. Also tzimbt es der Maiesterin alle ding besichtigkleich vnd rechtleich zu schaffen.


7 Darumb in allen dingen sullen sÿ all nachuollgen der Maÿesterin der Regel. vnd sol von der selbigen von kayner torleich aufgetretten werden.


8 Chaine soll nachuolgen in dem Chloster dem aÿgen willen Ires hertzen.


9 noch mit Irer Abttessin hochuertigkleich chriegen. weder in dem closter noch aussherhalb des Chlosters


10 Welliche aber dar übertritt. die lig vnder Reglisther zucht.


11 Doch die Abtessin sol thuen alle ding mit gottes vorcht. vnd mit behaltung der Regel. Vnd wiss an czweiffel. das sÿ got dem rechten richter von allen Iren vrtaill anttwurt muess geben.


12 Was aber von klainen sachhen zu achten vnd zu schaffen ist um des chlosters nütz. Dar über18 hab allain der elteren Swesteren rat.


13 als geschriben ist. Alle ding thue mit ratt. so gerewt es es dich nicht nach der tatt.


Note to Chapter 3.

18. 3:12. Unlaut "v".



[Chapter 4]



Von dem czewg der güetten Werich. Das vierdt Capitel.


1 DEs ersten. got lieb haben auss gantzem hertzen. auss gantzer sel. Auss gantzer chrafft


2 Darnach seinen nachsten als sich selber.


3 Darnach nÿemant tötten.


4 nicht unchewschs sein.


5 (124v) nichts stellen.


6 nichts begeren.


7 nicht falschew zewgnuss geben.


8 all lewdt eren.


9 vnd was aine Ir selbs nicht geschehen will. das thue nicht der andern.


10 verleÿg sich Ir selbs. das sÿ christo nachuollg.


11 den leib chestigen.


12 wollust nicht lieb haben.


13 geren vasten.


14 die armen speÿsen.


15 die nackhatten claiden.


16 den chranckhen besuchen.


17 den todten begraben.


18 In trubsal zu statten komen.


19 den klagunden trosten.


20 sich selben frombt machen von welltleichem geschefft.


21 nichts nicht furseczen der lieb gottes.


22 den zorn nicht volpringen.


23 die zeydt des zorns nicht behalten.


24 die vntrew in dem hertzen nicht haben.


25 falschen frid nicht geben.


26 die lieb nicht verlassen.


27 nicht sweren. das sy icht main swer.


28 die warhait reden von hertzen vnd von mund.


29 übel mit übel19 nicht gelten.


30 Nÿemant vnrecht thuen. geschicht ir aber vnrecht. das leyd gedultigkleich.


31 Ir veint lieb haben.


32 die aÿnem fluchent. nicht widerumb schelten. sunder wolsprechen.


33 die echtung leiden. durch die gerechtigkait.


34 Nicht hochuertig sein.


35 nicht weinig sein.


36 nicht ein überesserin20.


37 Nicht ein schlafferin.


38 nicht träg sein.


39 nicht ein murmlerin sein.


40 nicht ein nachrederin sein.


41 Ir hoffnung got enphelhen.


42 was sÿ gutz an Ir sicht das geb sÿ got vnd nicht Ir selber.


43 Aber die vbeltatt die schecz albeg Ir selben.


44 Den Jungsten tag furchten.


45 von der hell. erschrichen.


46 das ewig leben begeren mit aller geÿstlicher begir.


47 den tod täglich vor augen haben.


48 Ire werich entzigkleich hüetten.


49 vnd sold wissen. das seÿ got an allen stetten siecht.


50 Die pösen gedackhen21 die Irem hertzen zuchomen soll sy zehannt an christum werffen. Vnd sy offen Irem Geystlichem vatter.


51 [Os suum a malo vel prabo eloquio custodire]22


52 Vil reden nicht (125r) lieb haben.


53 Nicht vil reden ettlew wort. Nicht spöttleich reden.


54 nicht lawt lachen.


55 die heiligen leczen geren hören.


56 enczigkleich petten.


57 Ir vergangen übeltatt23 mit zähern vnd mit sewfften altag verjehen in dem pet.


58 die übeltatt24 fürbas pessern.


59 die begir des leibs nicht volpringen.


60 den aÿgen willen hassen.


61 Der Abttessin gepot in allen dingen gehorsam sein. ob sy halt nicht anders tet das nicht sein sol. gedenckh an das göttleich gepot. das also spricht. Was sÿ lernt das volpringt. Was sy aber thuen. das thuet nicht.


62 nichtt wellen heilig genandt werden e<h>e das aine ist. aber zu dem ersten sein. dass warhafftigkleicher gesprochen werd.


63 die gepot gottes alltag mit werchen volpringen.


64 Die chewsch lieb haben.


65 nÿemand hassen.


66 zorn und neÿdt nicht haben.


67 [invidiam non exercere]25


48 mit chrieg nicht wol sein.


69 hochuardt vnd ruem fliehen.


70 die eltern eren.


71 die Jungen lieb haben.


72 in der lieb christi vmb die veint pitten.


73 Mit den misshelungen vor der sunn vndergang zu dem fridt cheren.


74 vnd von der parmhertzigkait gottes zu chainer zeyt vertzagen.


75 Nembt war das sind die werchzeug des geistlichens hanntwerichs.


76 Wenn die von vns tag vnd nacht an vnderlass werden volpracht. vnd an dem Jüngsten gericht eröffent. so wirt vns wider geben der lon den got verhaissen hat.


77 den chain aug nye gesach. Noch chain oren gehört hat. weder in chaines menschen hertz nÿe chomen ist. den got beraitt hat den die In lieb haben.


78 Aber die ampthewsser dar In wir die alle mit fleiss volpringen sullen. sind die gesloss des chloster. vnd die stattigkait in der samung.


Notes to Chapter 4.

19. 4:29. Umlaut "v".

20. 4:36. Umlaut "v".

21. 4:50. Nasal bar over "a" before "ckh", e.g., "geda<n>cken".

22. 4:51. This sentence not rendered as a discrete entity as such. Possibly the editor considered the concept sufficiently expressed in 4:52/53.

23. 4:57. Umlaut "v".

24. 4:58. Umlaut "v".

25. 4:67. This sentence not rendered as such but possibly seen as sufficiently expressed in 4:66. Cf. 4:51.



[Chapter 5]


Von der gehorsam. Das fünnfft capitel (125v)


1 DEr erst Staffel der diemüetigkait ist gehorsam an26 vercziehen.


2 Die fuegt den die nichts nicht lieber habend den christum.


3 durch den heiligen dienst den sy versprochen habent. oder durich die voricht der hell. oder der glori vnd er das ewigen lebens.


4 Zwhantt als ettwas von der Obbristen gepotten wirt. recht als es von got gepotten werd volpringet.


5 von den spricht der herr. In dem hören des oren. ist sy mir gehorsam gewesen.


6 Vnd mer spricht er zu den lerern. Wer ewch hördt. der hördt mich.


7 Darumb die selben lassend vnder wegen. das sew angehördt. vnd auch Iren aygen willen.


8 Zehannt das sy warchtten vnuolpract auss den henden lassen mit snellen fuss uolgen nach der stim des gepietendes mit werchen.


9 vnd als in ainer weil das vorgenandt gepot der Maiesterin. vnd der volchömen werich der Jüngerin. Werden gemainigkleich in snellichait gottes varicht volfürdt.


10 vnd die selbigen den Inn ist die lieb zu chomen zu dem ewigen leben.


11 Darumb begreÿffent sÿe den enngen weg. von dem got spricht. Eng ist der weg der zu dem leben laittett.


12 Also das sy nicht nach Irem willen leben. oder Irem begiren vnd wollustigkaitten vndertänig sein. sunder sÿ geen nach fremder vernuft. vnd gepotten. In den Chlöstern sy wonendt vnd begerent zu aÿner vorgeerin zehaben ain Abttessÿn.


13 Die selben an czweifel uolgen nach der vrtail vnsers herren da er spricht. Ich pin nicht chomen das ich meinen willen volpring. Sonnder des. der mich gesandt hat.


14 Aber die selbig gehorsam wirt dan geuelkleich got vnd süess den menschen. ist das. das gepoten nicht wirt dan geuelkleich got und suess den menschen. ist dass. das gepoten nicht wirt forchtleicht. nich tregleich. oder (126r) mit Murmelung. oder mit antwurdt das aine des nicht thuen well wirt uolpracht.


15 Wenn die gehorsam die den obern erpotten wirt. die wirt got erpotten. Wan er spricht. Der euch hört. der hort mich.


16 Vnd mit guettem gemüet sol di gehorsam von den Junckfrawen volpracht werden. Wan ainen fröleichen geber hat got lieb.


17 Wenn aber mit übeln27 gemüet die Jungfraw gehorsam ist. vnd nicht allain mit dem mundt. Sonnder halt murmeld. in dem herczen.


18 ob sÿ halt das gepot erfüldt. so ist es doch got nicht genäm. der des murmelt hertz an siecht.


19 Vnd vmb soleich tatt. verdient sÿ chainn gnadt. Aber In die pen der murmlunden velt sÿ ob sÿ das mit genüeg thuen nicht pesserdt.


Notes to Chapter 5.

26. 5:1. "an", a discrete lexical item in the sentence, is cognate with MGH an(e), ModStG ohne, "without". The form an as used in Altbg can also be ModStG an, e.g., an der Wand.

27. 5:17. Umlaut "v".



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