[Chapter 21]


Von der Techantin des Chlosters. Das .xxi. capitel.


1 Ob die sammung merer ist. so werden von Inn erwelt ettleich swestern (135r) die guetter czeugnuss sind. Vnd heiligs lebens. Vnd werden geseczt zw Techantin.


2 die selbigen sullen besargen Ir Techaneÿ in allen dingen nach den gepotten gottes. vnd nach dem geschäfft Ir Abttessÿnn.


3 Soleich Techantin werdent erwelt. vnder den die Abttessÿnn sicherleich taill Ir purd.


4 Die werden nicht erweldt nach dem orden. Sonnder nach dem verdienen des lebens. vnd nach der ler der weÿshait.


5 Vnd ob aus den selbigen Techantin villeicht aine zeplet mit der hochfardt erfunden wirt. die werd gestrafft zu aim mal. vnd aber. vnd zu dem dritten mall. ob sy sich nicht pessern will. so werd sy abgeseczt.


6 vnd ain andrew die des wirdig ist. werd an Ir statt geseczt.


7 Vnd das selbig seczen wir auch von der pröbstÿnn.



[Chapter 22]


Wie die chloster Junckfrawen sullen schlaffen. Das xxii Capitel.


1 ALL sullen besunderleich an sunderleichen petten slaffen.


2 Vnd nemen das pettgwandt nach der weÿss des ordens vnd nach dem geschefft der Abttessinn.


3 Ob es gesein mag. so slaffen sÿ all an ainer statt. Ob aber die menig des nicht verhengt. so slaffen czehen oder czwainczig. mit den altfrawen. die fleissigkleich auff sÿ sorgfeltig sein.


4 In der selben czell soll enczigkleich ain liecht prinnen vncz an den tag.


5 In dem gewandt sullen sy schlaffen. gegürtt mit gürteln. oder mit strickhen. vnd wenn sy slaffent. sullen sy dy messer nicht haben in der seytten. das sy nicht verbunden63 werden in dem schlaff.


6 Vnd das die Swestern albeg beraitt sein. Wenn das czaichen ergeet. an vnderloss soll auff steen, aine vor der andern eylen zu dem gotzdienst. Doch mit aller gedigenhait und mässhaitt. (135v)


7 Die Jungen Swestern haben Ir pett nicht beÿ einander. sunnder gemischt mit den Altfrawen.


8 Wann sÿ auff steent zu dem gots dienst. so sullen sy sich an einander mässleich manen durich ausredumb der släffringen.


Note to Chapter 22.

63. 22:5. The Altbg editor may be using verbunden to express the notion of verwundet. A possibly erroneous past participle formation may have conflated strong verbunden with weak verwundet, mixing up the two distinct infinitives verbinden and verwunden. The substitution of "b" for "w" might have to be pursued, if other than a simple scribal error.



[Chapter 23]


Von der pesserumb des pann. Dass xxiii Capitel.


1. WElliche swester freuelleich vngehorsam hochuertig. oder ein murmlerin oder In ettwew widerbärtig der heiligen Regel und den gepotten Irer Elterin einversmächerin erfunden wirt.


2 die selbig soll gemandt werden nach dem gepott vnsers herren zw aim mal. vnd zu dem andern mal haimleich von Iren Eltern.


3 Ob sÿ es nicht pessert. so werd gestrafft öffenleich vor Inn allen.


4 Will sÿ sich es aber also nicht pessern. Ob sÿ versteet was die pesserung sey des panns. so underlig sy dem pann.


5 Ist das sÿ aber vnstüem ist. so werd sÿ beczwungen mit leippleicher rach.



[Chapter 24]


WEllich sul sein die mass des panns. Das xxiiii. Capitel.


1 NAch der mass der schuld. sol ausgestreckht werden die mass des panns. oder der zucht.


2 Die selbig mass der schuld. lig in dem willen der Abttessin.


3 Doch ob ein Swester in leichtern schulden wirt erfunden, die werd beraubt der g<e>maynschafft des Tischs.


4 Aber des berauben von der gemaynschafft des tischs wirt dise beschaidenhait. das sy in dem petthaws kain psalm. khain Antiffen nicht anheb. noch chain leczen icht les vncz auff die genueg thueung.


5 Aber das essen der speis. nem sy allain. nach dem essen der swestern.


6 Als mit ebenpild. Ob die swestern essent zu der sechst. so ess dise (136r) Swester zw der Nonn. Wenn die Swestern zu der nonn essendt. so ess sÿ zu vesp<er>czeitt.


7 vncz sy mit pilleicher puess ablas64 enphach.


Note to Chapter 24.

64. 24:7. One would have to determine from the South German lexicon of 1500, whether ablas (ModStG Ablass) routinely renders "pardon" (veniam) or "[sacramental] absolution".



[Chapter 25]


VOn den Swärern schulden. Das xxv. Capitel.


1 WElliche swester in der puess der grossen schuld ist. die soll besundert werden von dem Tischs. vnd auch von dem petthaws.


2 Chain Swester soll ich zu Ir fuegen mit gemaynschafft. noch mit gesprech.


3 Allain sol sy sein an dem werich das Ir beuohlen ist. vnd verherr an der chlag der puess. Wiss das schreckhleich vrtail sand pauls da er spricht.


4 Amen sollichen menschen sulld Ir geben dem pösen geyst in verderben des fleysch. dass der geist hailbertig werd an dem tag des herren.


5 Das essen soll sÿ enphahen in der mass vnd zu der czeitt. Wenn es der Abttessin gedunckht fuegleich zesein.


6 Sy soll auch nicht gesegent werden von chainer die fur seÿ geet. noch das essen das Ir geben wirt.



[Chapter 26]


VOn den die sich an geschäfft der Abttessin zwfüegen den gepannten. das xxvi Cap<itel>.


1 WElliche swester an das geschäfft der Abttessin torleich sich züfüegt zu ainer gepannten swester. oder mit Ihr redent. oder Ir pottschafft sendet


2 die leyd ein solleiche rach des panns



[Chapter 27]


WIe die Abttessin sorgsam seÿ vmb die gepannten. das xxvii cap<itel>.


1 MIt allem fleÿss sol die Abttessin sorg haben vmb die missetungenden swestern. Wenn den gesunten ist nicht nott ains arczs. sunder den siechen.


2 Vnd darumb soll sy geleich thuen als der weÿs arczt. zu Ir senten als haimleich poten. das sy sey trösten. das seindt. die altfrawen. vnd die (136v) weisen Swestern.


3 die haimleich trösten die betrüebt swester. vnd sey üben65 zu der pesserung der dyemuetigkait. vnd sey trösten. dass sÿ <n>icht überladen werd mit grösser traurigkait.


4 Sonnder als der czwellfpot spricht. Die lieb werd bestättigt In Ir. vnd werd für sÿ gepeten von In allen.


5 Die Abttessin soll auch haben grossen fleyss, vnd mit aller muntterhait vnd fürträchigchait achten. das sy von den schefflein die Ir beuolhen sind chains verliess.


6 wiss das sÿ enphangen hat die sarig der siechen sellen. nicht ein übermuetigkaitt66 über67 die gesunten.


7 Vnd furcht des weÿssagen drawung der durich des munds gottes spricht. Das da vayst war das nambt Ir zu ewch. vnd was chranckh was. das warfft Ir hin68. Das ist mit andern warten gesprochen souil. Die da guet sind gewesen. habt Ir vernicht. mit neÿd. nach reden vnd hass. vnd pösen ewenpild. vnd also verlorn. vnd die pösen zehailen. habt Ir chain fleÿss than.


8 vnd sol nachuolgen dem gutten ewenpild des güettigen mayster. das ist. Christo. der newn vnd newnczig scheffel liess in den pergen. vnd gie suechen das ain scheffel. das Irr was waren.


9 des selbigen chranckhait er so uast mit gelitten hatt. das er es auff sein heilig schulter genädigkleich gelegt hat. vnd also widertragen zw der hertt.


Notes to Chapter 27.

65. 27:3. Umlaut "v".

66. 27:6. Umlaut "v".

67. 27:6. Umlaut "v".

68. 27:8. Sentence 8 ends here in the Lat RSB. What follows in Altbg, from "Das ist mit andern warten. . .habt Ir chain fleÿss than," marks an unusual departure in practice for the editor of the Altbg RSB, who refrains from internal editorial commentary beyond much more than supplying an additional synonyn or phrase.



[Chapter 28]


Von den die offt gestrafft werden. vnd sich nicht wellent pessern. Das xxviii Capitel.


1 WElliche swester enczigkleich gestrafft wirt. vmb wellicherlay schuld. vnd ob sy auch gepannt wirt will sy sich nicht pessern. so sol Ir hertterew straff erczaigt werden. das ist. das die rach der sleg an Ir ergee.


2 vnd ob sy sich also (137r) nicht pessert. vnd villeicht des nicht seÿ. Sich in die hochfart erhebt. vnd beschönen wil Irew werich. So thue die Abttessin als ein weÿser arczt69.


3 ob sÿ erczaigt hat die lindigkait. vnd die salben der monung. Auch die erczney der heiligen schrifft vnd zu dem leczten den pranndt des panns. oder sleg der gerten


4 vnd nun siecht. das Ir fürträchtigkait in nichte frumbt. so geb darzue das merer. das ist. Ir<e>r pett vnd der Swestern aller vmb sey.


5 das got70 der alle ding mag. wurch das haill an der siechen swester.


6 Wirt sÿ aber in der weÿss nicht gesundt. so nücz die Abttessÿn das eÿsen der abschneydung. als sand Paulus spricht. Werfft auss das übel71 von ewch.


7 Vnd aber: Ob die vntrew enttweicht so enttweich.


8 das icht ein siechs schaff die gancz hertt vermaylig.


Notes to Chapter 28.

69. 28:2. While "abbess" is used, the masculine form of "physician" is retained. The occurrence of mixed gender or inconsistent gender adaptation would also be fertile ground for philological study, not only in Altbg itself, but across other three gender-adapted vernacular medieval German versions of the RSB.

70. 28:5. For dominus, Altbg curiously translates got rather than using the Altbg equivalent of ModStG der Herr, possibly indicating the editor's intuitive option for an inclusive language term in this instance.

71. 28:6. Umlaut "v".



[Chapter 29]


Ob die Aussgeunden Swestern vom kloster sullen widerumb auff genumen werden. das xxix ca<pitel>.


1 DIe swester die von Irem aÿgen laster aus dem chloster geet. oder auss triben wirt. will sÿ widercheren. so versprech sy des ersten alle pesserung des lasters darumb sy auss gangen ist.


2 vnd werd also an der lesten stat aufgenonmen. das Ir diemüetigkait damit werd bewärt.


3 Vnd ob sy mer auss geet. so werd sÿ also zu dreÿen malen enphangen. Aber darnach wiss. das ir v<nter>sagt72 soll werden aller Inganckh der widercherung.


Note for Chapter 29.

72. 28:3. Codex "v [nasal hook] sagt".



[Chapter 30]


Von den chindern des Mÿnnern alters. wie die gepessert werden. Das xxx Capitel.


1 EIn ÿgkleich alter oder versteentigkait sol haben sein aygnew mass.


2 Darumb wenn die chind vnd die Jungen an dem alter. vnd die nicht versteent. wie gross (137v) sey die pein des panns.


3 Wenn die vnrecht thuen. so werdent sÿ chestigt mit grossen vasten. oder beczwungen mit scharffen slegen. dass sÿ gesunt werden.



[Chapter 31]


Von der Chellnerin des Chlosters. wer die sein soll. Das xxxi Capitel.


1 DIe chellnerin des Chlosters werd erwelt von der samnung die do weÿs seÿ vnd gesitter sitten. nücht. nich ein überesserin73 nicht hochfertig. nich ein betrüberin. nicht vnrechs gewalts. nicht treg. nicht übrigs74 milt.


2 sunder die gott füricht. vnd aller sampnung seÿ als ein muetter75.


3 Sorg hab sÿ vmb alle ding.


4 an der Abttessin geschefft thue sy nichts nicht.


5 Was Ir enpholhen wirt des pfleg.


6 nicht betrüeb die swestern.


7 Ob ein swester von Ir villeicht ettleiche ding vnuernufftigkhleich vodert. nicht mit versmechen betrüb sÿ. sonnder vernufftigkleich mit dÿemüetigkait verczeich der selbigen das. das sÿ vnbeschaidenleich pitt.


8 Ir sell behüet. gedenckh albeg das der czweliffpot spricht. Wer woll dient. der gewinnt ain guetten stand.


9 Der siechen der chind. der gest vnd der armen. hab sÿ sorg mit ganczen fleyss. wiss an czweÿffel. das sy für die all an dem lesten gericht anttwordt muess geben.


10 Alle vas vnd all die hab des chlosters beschaw vnd behüet76. recht als die heiligen vas des altars.


11 versawm nichts nicht.


12 Fleyss sich nicht der geitigkait, seÿ auch nicht übrigs77 milt. vnd ain zestörerin der hab des Chlosters. thue alle ding messleich. vnd nach der Abttessin geschefft.


13 Diemüetigkait sol sy haben vor allen dingen. (135r) vnd so die hab nit ist die ettwem werd geben. dem werd ein guette red der anttwurdt geraicht.


14 Als geschriben ist. Die guet red is über78 all gab.


15 Alles das, das Ir die Abttessin enphilicht. hab vnder Ir<e>r pfleg. Was sy Ir verpewt das lass.


16 den Swestern geb Ir gesaczte pfrunt an allen chrieg. vnd vercziechen. dass sÿ icht geergert werden. gedenckh des göttleichen warts. Was aine verdient. die da ergert ainew von den chlaynen79. pesser wär es Ir. das Ir ain mülstain an den hals wurd gehangen. vnd also gesenckht in die tÿeff des mör.


17 Ist das die sampnung gross ist. So werd Ir hilf geben von den Swestern. vnd also mit guettem muet volpring das Ampt das Ir enpholhen ist.


18 Zu füegleichen zeitten soll man geben. das da ze geben ist. vnd gefodert werden was zefoderen ist.


19 das nÿemandt betrübt noch getrawrigt werdt In dem haws gottes.


Notes for Chapter 31.

73. 31:1. Umlaut "v".

74. 31:1. Umlaut "v".

75. 31:2. Lat RSB: sicut pater.

76. 31:10. An example here of the Altbg editor's practice of expanding a single word in the Lat RSB by an additional synonym. Lat RSB conspiciat is enhanced to beschaw vnd behüet (beschaue und behüte). Cf. note on 27:8.

77. 31:12. Umlaut "v".

78. 31:14. Umlaut "v".

79. 31:16. The Altbg editor follows a var reading of the Lat RSB (see Hanslik, 97) citing Matt. 16:8 in its entirety rather than in the abbreviated form.



[Chapter 32]


Von dem Eÿsenczewg. vnd von andern sachen des Chlosters. Das xxxii Capi<tel>.


1 DIe hab des Chlosters an dem eÿsenczewg. an dem gewannt. oder an andern sachen. bewar die Abttessin mit söleichen swestern von der leben vnd sitten sÿ sicher seÿ.


2 Vnd emphelich ÿnen allew ding zu behüetten. als sÿ Irs guett gedunckht das sÿ des pflegen. vnd zu einander samen.


3 Des selben soll die Abttessin ein brieff haben. also wenn die Swestern nach einander choment an diesölchen pfleg. das sÿ wiss. was sÿ geitt. vnd wass sÿ nÿmbt.


4 Wellichew aber die hab des Chlosters vnsawberleich vnd versawmleich handelt. die werd gestrafft.


5 Vnd ob sy sich es nicht pessert. so lig vnder der ordenleichen czucht.80.


Note to Chapter 32.

80. 32:5. It might be noted that Altbg generally renders disciplinae regulari as (vnder) der reglischen [rather than ordenleichen] czucht.



[Chapter 33]


(138v) Ob die Swestern icht aÿgens sullen haben. Das xxxiii Capitel


1 ZV vodrist soll das laster der aÿgenschafft auss von den wurczen abgeslagen werden in dem Chloster.


2 das nÿemant thur ettwas geben oder nemen an das gescheft der Abtessÿn.


3 noch chain aÿgenschafft haben. gar chain ding. weder puech. tafel noch griffel. noch nichts nicht genczleich.


4 Wann ÿ<n>en weder Ir leib noch willen erlaubt ist zehaben in aÿgen gewalt.


5 Aber notturfft sol man hoffen von der Abbtessÿn81 des Chlosters. noch ichts icht seÿ zimleich zehaben. das die Abttessin nicht geben hat noch verhengt zuhaben.


6 Alle ding sullen In allen gemain sein. als geschriben ist. ÿ<n>en warden alle ding gemain82. noch chaine soll sprechen oder thuren das ettwas Ir seÿ.


7 Ob aber ainew begriffen wurd. das Ir mit des snödleichen poshait woll ist. die selbig wert gemont zu ainmal vnd aber.


8 Vnd ob sÿ sich nicht pessert so vnderlig sÿ der straff.


Notes to Chapter 33.

81. 33:5. It is noteworthy that the Altbg editor renders both a patre in the first clause as well as abbas in the next by Äbtissin, instead of opting for the more literal rendition von der Mutter in the first instance.

82. 33:6. The Altbg version follows the var reading of the Lat RSB (see Hanslik, 96) citing Acts 4:32 in its fuller form (erant illis omnia communia).



[Chapter 34]


Ob sÿ all geleich die notturfft sullen nemen. das xxxiiii Capitel.


1 Als geschriben ist. Es ward getailt aim ÿgleichen als Im nott was.


2 Da sprechen wir nicht. das ain person von der andern werd besundert. aber dass die chranckhait petracht werdt.


3 Wer mynner bedarff. der danckh des got vnd werd nicht betrüebt.


4 Wer aber mer bedarff der werd gediemüetigt vmb die chranckhait. vnd überheb83 sich nicht der parmherczigkait.


5 Also beleyben alle gelid in dem fridt.


6 Vor allen dingen dass das übel84 der murmulung soll nicht ershein vmb chain sach. weder an warten. noch an czaichen.


7 Welliche (139r) aber daran begriffen wirt. die werd gestrafft mit strenger czücht.


Notes to Chapter 34.

83. 34:4. Umlaut "v".

84. 34:6. Umlaut "v".



[Chapter 35]


Von den Wochnerin der kuchen. Das xxxv Capitel.


1 DIe Swestern dienen In selben also gegen einander. das chaine werd vberhebt. des ampt der chuchen. es seÿ dann von siechtum wegen. oder das aine bechumert seÿ in nuczleichen grossern sachen.


2 wenn dauon verdient man grossen lon.


3 Aber den kranchen soll man vnb hilff trachten. das sÿ es nicht mit trawrigkhait tuen.


4 aber sy all haben hilff nach der mass der sampnung und nach der gelegenhait der stat.


5 Ist das aber die Sampnung gross ist. so wert die chellnerin auss genomen von dem Ampt der kuchen. Vnd auch die. als wir vorgesprochen haben. die mit grössern nuczleichern sachen bechumert sind


6 aber die andern dienen Inselben in der lieb.


7 Die auss der wochen geet. die thue Rainigkait an dem sampsetag.


8 vnd waschs die thuecher mit den die Swestern Ir hentt vnd Ir fuess habend getruckhent.


9 Die da auss der kuchen geet mit der die In die kuchen geet. waschen Inn allen die fuess.


10 Die vas Irs dienst geanttwurdt der Chellnerin rain vnd gancz.



11 Die selbig Chellnerin enphelich die selbigen darnach der. die in dy kuchen geet. das sÿ wiss was sÿ Ir gibt. vnd wass sy In nymbt.


12 Die wochnerin vor der czeit des Tischs. neben über85 die gesaczt pfrundt besunderleich wein vnd prot.


13 das sy zu der czeitt des essens an murmulung vnd an swarew arbait dienen Iren Swestern.


14 Aber zu den hochczeittleichen tegen86 entthaltten sÿ sich vncz nach der mess.


15 Die wochnerin die inn die kuchen geent. vnd darauss. zu hantt an dem Sonntag nach der metten. (139v) In dem petthaws. naygen sich gegen In allen. vnd begern das man für sew87 pitt.


16 Die von der wochen geet. die sprech der vers. Benedictus es domine deus. qui adiuuisti me et consolatus es me.


17 Wenn dreÿstund der vers gesprochen ist. vnd den segen enphangen hat. darnach gee die. die in die wochen geet vnd sprech. Deus in audiutorium meum intende. Domine ad adiuunadum me festina.


18 das werd dreystund von In allen gesprochen. vnd nem den segen vnd gee zu dem diensts88.


Notes to Chapter 35.

85. 35:12. Umlaut "v".

86. 35:14. The presence of umlaut in plural forms of tag was quite customary at the time and in the linguistic region, and is even today a feature in the same dialect.

87. 35:15. Altbg "sew" = ModStG "sie".

88. 35:18. Sic (dem diensts), instead of an anticipated dienste.



[Chapter 36]


Von den siechen Swestern. Das xxxvi Capitel.


1 Uor allen sachen. vnd über89 alle ding. soll man die siechen besargen. vnd In gedient werd als Christo.


2 wenn er selb spricht. ICh was siech. vnd Ir habt mich besuecht.


3 vnd was Ir getan habt dem mÿnnisten aus den meinen. das habt Ir mir gethan.


4 Aber die siechen sullen betrachten. das man In dient in den eren gottes. vnd betrüeben nicht mit Ir überflüssigkait90 die Swestern. dÿ In dienent.


5 Die soll man doch gedultigkleich leÿden. Wann von In grosser lon erwarffen wirt.


6 Darumb sol die gröst. sorg sein der Abttessÿn. das die siechen chainem mangel leyden.


7 Den selbigen siechen Swestern sol ain czell ausczaigt werden. vnd ain dienerin. die got füricht. vnd fleÿssig seÿ vnd sorgsam.


8 Das pad werd erlaubt den siechen wenn es In fuegleich ist. Aber den gesunten vnd voraus den Jungen. Werd das pad selten erlaubt.


9 Das essen des fleysch werd des siechen vnd den gar kranchen zw einer pesserung erlaubt. Aber wenn sÿ sich habend gepesserdt. So essen sy des nicht als gewonhait est.


10 Aber die Abttessin. soll haben die maÿst sorg. das (140r) die siechen von der Chellnerin oder von den dienerin icht versaumpt werden. wenn es gehördt sy an. wass von den Jungerin wirt missgethan.


Notes to Chapter 36.

89. 36:1. Umlaut "v".

90. 36:4. Umlaut "v" in the prefix über.



[Chapter 37]


Von dem Alten. vnd von Iungen. Das xxxvii Ca<pitel>.


1 WIe wol das ist. das die menschleich natur mit parmherczigkait czogen wirt. zu dem alter der alten. vnd der kind. Doch der gewalt der Regel soll In auch für sechen.


2 An In werd albeg angesechen die kranchait. Vnd In chainer weÿss werd an In behalten die strenghait der Regel an der speÿss.


3 sunder an In begee ein guetew bedächtigkait. vnd fürchumend die reglischen stunden.



[Chapter 38]


VOn der wochen leserin. Das xxxviii Capitel.


1 DEn Tischen der swestern die da essent. soll die leczen nicht abgeen. noch chaine soll vnfürsichtigkleichen begreÿffen ein puech. vnd darczu lesen. Sonnder die dÿ gancz wochen sol lesen.


2 die gee darczu an dem Suntag91 nach der mess. vnd nach der heiligen enphaung gottes leichnamss92 vnd beger das sy all für sey pitten. das got von Ir nem den geÿst der hochfart.


3 vnd werd gesprochen in dem petthaus zu dreÿenmalen von In allen der vers. doch sÿ soll anheben. Domine labia mea aperies Et os meum annuncciabit laudem tuam.


4 Vnd wenn sy also den segen hat enphangen. so gee zu dem lesen.


5 Es werd auch die höchst sweigung behalten beÿ dem tischs. das chainer murmulung. oder stÿm den der leserin da gehördt werd.


6 wes man da bedarff. an essen vnd an tricken das raichen die Swestern also aneinander. das chaine bedurff icht zefodern.


7 Doch wes notturfft ist. das werd mer gefordert (140v) mit ettleichem czaichen. denn mit der stym.


8 Es soll auch chaine türen93 da selbig oder anderswo von der leczen ichts nicht fragen. das chain vrsach icht geben werd. dem pösen geÿst. oder den swestern94 ze reden.


9 es seÿ dann. das die Priorin churczleich ettwas reden wel zu einer pesserung.


10 Aber die wochnerin nem ein mixtum ee das sy anheb zulesen durich der heiligen Communion. vnd das Ir villeich icht zeswär seÿ die vasten zeleiden.


11 darnach ess sie mit den dienerin95.


12 Aber die swestern lesen nicht nach dem orden. Sunder die. dÿ da pessern und stifften die hörer.


Notes to Chapter 38.

91. 38:2. Altbg transposes the notion of dominica from Sentence 1 in the Lat RSB (tota ebdomada dominica, "for a whole week beginning on Sunday") to Sentence 2 (an dem Suntag).

92. 38:2. The straightforward post. . .communionem of the Lat RSB would appear significantly expanded here by the Altbg editor (nach. . .leichnamss), without precedent in any of the Lat mss.

93. 38:8. Similar orthographic obscurity of the t of the initial th of thuren may also be seen in 33:2 (thur).

94. 38:6. Of particular interest is the Altbg addition of both phrases "dem pösen geist. oder den swestern", neither of which exists in the Lat RSB. RB1980 comments that "the bracketed words "to the devil" seem to be required for sense (fn. 236). The Altbg version goes one step further also to include "to the sisters", as perhaps "the world and the flesh" might speak through them.

95. 38:11. The Altbg editor omits any specific reference to the cook, all kitchen help presumably being included under the comprehensive term "servants" (Altbg dienerin = ModStG Dienerrinen).



[Chapter 39]


Von der Mass der speÿss. Das xxxix <Capitel>.


1 WIr gelauben das genug seÿ zu dem tegleichem essen der Sext vnd der nonn all moned czwaÿ gemuess. durich die manigueltig kranckait.


2 das villeicht die. dÿ von ainem nicht geesen mag werd gespeÿst von dem andern.



3 Darumb genug sol sein allen Swestern an czwaÿ<n> gekochten gemüess. vnd ob icht ist darnach obs oder anderew chrewtter. so werd das dritt darzu gegeben.


4 And pfu<n>nd geweg<e>ns96 prots lassen sÿ sich genungen zu dem tag. man ess zu aim mal oder zwir des morgens vnd des abencz.


5 Ob man zu dem abent wirt essen. so werd das drittaill des gewen<e>n97 prots von der Chellnerin behalten. vnd wider gegeben an dem abent.


6 Ob aber die arbait gross ist. so seÿ in der Abttessen willen98. ob es sich füeg ettleichs zu meren.


7 Also das die frashait vor allen dingen vermitten werd. das der Swester nÿmer vndersleich ain vnuerdewte speÿs.


8 Wenn nichts ist als wider ainem ÿgleichen Christen. als die frashait.


9 Als (141r) vnser herr spricht. Secht dass ewrew hercz icht beswerdt werden in frashait.


10 Den kinden des mÿnners alters werd nicht behalten die mass. Sonnder ein mÿnnerew. dann den eltern. also das die sparung an allen dingen behalten werd.


11 Aber der vierfüssigen fleischs essen werd all ze mall von in allen vermitten, an die gar swachen vnd siechen.


Notes to Chapter 39.

96. 39:4. Codex unclear, showing "gns" with nasal bar, probably for geweg<ew>ns, ModStG (ab)gewogenes.

97. 39:5. Codex again unclear, showing "gn" with nasal bar, probably for geweg<e>ns, ModStG (ab)gewogenen.

98. 39:6. Here Altbg compresses in arbitrio et potestate abbatis into in der Abttessin willen, perhaps attributing more importance to her will than to her power.



[Chapter 40]


Von der mass der Trinckhens. Das xl. Capitel.


1 EIn ygleicher menschs hat von got ein besundre gab. der ain also. der ander aber also.


2 vnd darumb mit ettleicher gewag wirt von uns geseczt die mass der leib narung99.


3 Doch sechen wir an die kranchait der siechen. vnd gelauben das ain Emÿn weins genug soll sein ainer ÿgleicher zu dem tag.


4 Wem aber got geitt ledigung der mashait. die wissen das sy aigen lön habend.


5 Ist aber das die notturfft der stat oder der arbait. oder die hicz des sumers mer fodert. das stee an der Priorin willen100. die selbig betracht in allen dingen das sattung. vnd die trunckhenhait icht vndersleiche.


6 wie wol wir lesen das der wein gerleich101 der swestern nicht sey. Doch wenn das peÿ vnsern zeitten den Swestern nicht mag geratten werden. so geben wir vnsern willen darczue. das wir In messleich trinckhen vnd nicht überflüssigkleich102.


7 Wann der wein macht auch abtrünig die weÿsen.


8 Wo aber die notturft der stat fodert. die vorgeschriben mass nicht mag erfunden werden. sunder mÿnner. oder nichts nicht. So loben die got. die da wanendt. vnd nicht murmeln.


9 Des monen wir vor allen dingen. das die Swestern an murmulung sein.


Notes to Chapter 40.

99. 40:2. The Altbg editor renders the Lat RSB victus neatly and comprehensively as der leib narung. The RB1980 translation uses two words, "food and drink". In this connection, however, the Altbg version omits any mention of specifying the amount "for others", aliorum. Hanslik does not show any such omission of aliorum in any of the Lat varr.

100. 40:5. Cf. 39:6, note on willen.

101. 40:6. As to the precise meaning of the form "gerleich, Lexer lists MHG gerliche (gerliche) for ModStG "begierig, freudig, gern". Further research could fine-tune the meaning while looking at the corollaries in comparable MGH or ENGH mss. of the Rule. The gloss here would seem to represent omnino in the Urtext.

102. 40:6. Umlaut "v" in the prefix über.



[Chapter 41]


(141v) Zw welhen zeitten die Swestern sullen essen. das xli. capitel.


1 VOn dem heiligen Ostertag uncz auff pfingsten. essen die Swestern nach der Sext. vnd auch zu dem abent.


2 Aber von pfingsten allen den Sumer. ob sÿ nicht arbait haben auff den eckern. vnd ob dy übrig103 hicz des sumers nicht betrübt. So vasten am Mittichen vnd am Freÿtag. vncz zu der nonn.


3 Zu den andern tägen104 essent zu der sext.


4 das selbig essen zu der Sext. soll auch die vorgemelten czwenn tag behalten werden. ist das sÿ arbait habent auff den eckern. oder ob übrige105 hicz wer. das selbig seÿ in der Abttessin fürsichtigkait.


5 die alle ding also schickhen vnd schaffen soll das die selen hailbertig werden. Vnd was die Swestern beginnen. das selbig thuen an rechtew murmulung.


6 Aber von den ydibus des herbstmonads vncz an das haupt der viertzig täg106 essen sy albeg zu der Nonn.


7 Aber in der vasten. vncz auff Ostern. essend sÿ zu der vesper.


8 Die selbig Vesper werd doch also begangen. das die essenden des liechts der latern107 nicht bedurffen. Sonnder beÿ dem tegleichen liecht werden alle ding volpracht.


9 Es soll auch zu allen zeitten. man ess czwir oder zu aim mal. die zeitt also getemperierd werden. das alle ding ergeen bey dem tag108.


Notes to Chapter 41.

103. 41:2. Initial umlaut "v".

104. 41:3. Again the presence of plural umlaut of stem vowel for tag, this time using an actual umlaut marker over a rather than the straight letter e as before (tegen, cf. 35:14).

105. 41:4. Initial umlaut "v".

106. 41:6. Once again, plural umlaut of stem vowel for tag, here minus the expected -e marker. Cf 35:14, 41:3.

107. 41:8. Ms. shows a nasal bar over the n, thus indicating either later(r)n or later(e)n.

108. 41:9. A sensible translation of luce as bey dem tag, understanding beim Tageslicht.



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