[Chapter 59]


Von den kinden der edeln. oder der armen die geopphert werden In das kloster. das lviiii. Cap<itel>.


1 (149v) Ob yemant villeicht von den Edeln sein kind oppfferdt got In das kloster. ist das. das kind aines Jungen alters ist. so thuen sein frewndt142 das vorgenant gepet


2 vnd mit opferung das selb gepet vnd dÿe hannt des kinds In wicklen

sÿ in dem altar thuech vnd also opfern sÿ es.


3 Aber von seinen gütern aintweder in dem gegenwürtigen gepet verhaÿssen sÿ vnder gesworem ayd. das sÿ nymmer durch sÿch selb<er>. nymmer durich ein vndergemachte person. weder In kainerlaÿ weÿss Im etwas geben. oder geben vrsach ze haben.


4 Oder wellen sÿ das nicht thuen. vnd wellen ettwas geben zw ainem almuesen dem kloster vmb Iren lon.


5 so thuen sÿ es. auss den gueteren die sy wellen geben dem Chloster. vnd behalten In ob sy also wellent die fruchtnuczung.


6 vnd also alle ding werden verslossen das chain argwan beleib dem kind durich die es betrogen. das nicht seÿ verderben mug. das wir mit erfarung erkannd haben.


7 Zw geleicher weyss thuen auch die armen.


8 Die aber gancz nichtz haben die thuen schlechtleich das gepet. vnd mit opferung opfern sy Ir chind vor zewgen.


Note to Chapter 59.

142. 59:1. Once again, parentes eius is rendered by sein frewndt. Cf. 54:1,2.



[Chapter 60]


Von den priestern die in dem chloster wellen wonen. Das lx Capitel


1 Ob ettwer von dem orden der priester begert sich auff zenemen in dem kloster dem werd das nicht bald verhengt.


2 Behert er aber genczleich in diser begerung. so wiss das er dÿ zucht der Regel behalten muess.


3 vnd nichts nicht wirt Im des abgenomen. das es seÿ als geschriben ist. Frewndt war zue pist du khomen.


4 Doch werd Im verlichen nach dem Abbt143 zesteen vnd gesegnen vnd Mess haben. doch ob es der Abbt zu Im schaft.


5 In das nicht. sol er in (150r) chainer weÿss ettwas thuen. wissund sich der Reglischen zucht vnder than. vnd mer der dyemuetigkait ebenpild geb er in allen


6 Ob er villeicht durich ordnung oder durich ander sach beleibt in dem kloster.


7 so merckh er albeg die stat. da er in das kloster gangen ist. nicht dÿse die Im vmb erwirdigkait der priesterschafft verlichen ist.


8 Ob aber ettwer der pfaffen mit der selben begir dem kloster will geseld werden. der werd gestellt in einer mittler stat.


9 doch ob er verhaist vor die haltung der Regel. oder aigner stetigkait.


Note to Chapter 60.

143. 60:4. It is both interesting and significant that the male referents are maintained throughout this chapter. No mention is made whatever of an abbess or of monastic nuns. Cf. Chapter 62.



[Chapter 61]


Von den frömden Chloster Junckfrawen. wie sÿ enphangen werden. das lxi. Capitel.


1 Ob ein frömdew Chloster Junckfraw von verden landen zukumpt. Ob sÿ für ein gestin wil wonen Im kloster.


2 vnd sey genugt an der gewonhait der stat die sÿ da findt. vnd villeich mit Irer überflüssigkait144 nicht betruebt das Chloster.


3 sunder slechtleich genugt sey des. das sy findet. die werd enphangen als lang sÿ der zeidt begert.


4 Doch ob sÿ ettleiche ding vernüfftigkleich oder mit dyemüetigkait der lieb strafft (marg. oder czaigt) betracht die Abttessyn145 weÿssleich ob seÿ vmb das selb der herr geschickht hab.


5 Will sÿ aber darnach stetigkait thuen. sölicher will werd nicht auss geslagen. vnd aller maÿst. wann in der zeit der gastung möcht Ir leben erchanndt werden.


6 Ob sÿ aber überflüssig146 oder lästerig erfunden wurd in der zeitt der gastung. nicht allain. soll sÿ nit zue gesellet werden dem leÿb des Chloster.


7 sonnder Ir soll auch erwerleich gesagt werden. das sÿ sich von dann heb. das nit von Irer vnseligkait auch die anderer gelestern werden.


8 Ist sÿ aber nicht ein sölhew. (150v) die verdient das sÿ verwarffen werd. so werd nicht allain ob sy sein begert auffgenomen der sampnung zw gesellet.


9 sonnder Ir werd geratten dass sy stee. wenn von Irem ebenpild die andern möchten vnder weÿst werden.


10 vnd wann in aller stat dient man ainem herren. vnd ritterschefft ainem kunig.


11 Vnd ob seÿ auch die Abttessin ein solliche sicht zesein. so seÿ Ir zymleich das sÿ seÿ ain taÿll an ain höchere stat secz.


12 vnd nicht allain den Swestern. sunder auch von den vorgeschriben graden der priester oder der pfaffen mag der Abbt147 an ain höcherew stat stellen (marg. dann sy ein geen)148 ob er Ir leben also betracht.


13 Huet sich auch die Abttessin. das sÿ nicht ettwan von ainem andern bekanten Chloster ain Swester zw wonen auffnem an Ir<e>r Abttessin gunst. oder an brieff der enphelchnuss.


14 wann es ist geschriben. Was du dir nicht wild lassen geschechen. das thue dem andern nicht.


Notes to Chapter 61.

144. 61:2. Umlaut "v".

145. 61:4. Note the return to female referents at this point in this chapter.

146. 61:6. Umlaut "v".

147. 61:12. Here agin the male referent, when implying authority as exercised over both the sisters and the priests. The issue of administration and jurisdiction is of utmost significance here. Owning to the close geographical proximity and genesis of the nuns' convent vis-a-vis the male abbey.

148. 61:12. The Altbg marginal gloss represents the parenthetical clause in the text of the Lat RSB quam ingrediuntur, itself set off in commas in the Lat RSB critical edition.



[Chapter 62]


Von den priestern des Chlosters149. Das lxii. Capitel.


1 WEllicher Abt In einem Priester oder ein Dyachen begert zeweichen. der erwell von den seinen der wirdig seÿ zeprauchen die preisterschafft.


2 Aber der geweicht. hüt sich vor dem übermut150 oder hochfart.


3 vnd soll auch nichts thuen. den das Im von den Abt gepotten wirt. wiss das er vil mer der reglischen zucht vntertanig ist.


4 Weder von vrsach der priesterschafft vergess er der Regel gehorsam. vnd zucht. sunder mer vnd mer nem er zue in got.


5 Aber auff die stat merckh er albeg. da er Ingangen ist in das kloster.


6 an das Ambt des altars. vnd ob villeicht der erwellung der sampnung. vnd der will des Abbts vmb des lebens verdiennung (151r) ÿen wolt fudern.


7 so wiss doch das er behalten soll die Regel die von den Techantten oder Pröbsten im geseczt ist.


8 Vnd ob er anders thut. so werd geurtaÿlt nicht als ein Priester. sunder als ein widerspeniger.


9 Vnd ob er offt gemannt wirt. vnd sich nicht pessert. so werd auch der Bischolff in zewgnuss genomen.


10 Vnd ob er sich auch also nicht pessert. wenn die schuld offenwar werden. so werd auss dem kloster gewarffen.


11 doch ob sein widerspänigkait ein söliche ist. das er nit well vnderthan oder gehorsam sein der regel.


Notes to Chapter 62.

149. 62:Title. As one might expect, Chapter 62, in virtue of its topic, remains totally in the male gender cast of the original Lat RSB. Cf. Chapter 60.

150. 62:2. Umlaut "v".



[Chapter 63]


Von der Ordnung. der Sampnung. Das lxiii Capitel.


1 DIe Swestern behalten Iren orden in dem kloster also. das die zeit der becherung. vnd des lebens verdienung entschaidt. vnd als die Abttessin seczt.


2 Belliche Abttessin betrueb nicht die hertt dy Ir beuolhen ist. noch auss freÿem gewalt schickh sÿ ettwas vnrechtleich.


3 sunder gedenckh albeg. das sÿ von allen Iren vrtailen vnd werckhen. werd got raittung geben.


4 Vnd darumb nach den orden dÿe sÿ seczt. oder die Swestern habend. also geen sÿ zu dem frid. zw der Communion. zu anheben den psalm. zu steen in dem Chor.


5 Vnd gänczleich an allen stetten soll das alter nicht entschaÿden in dem orden noch fürgeseczt werden.


6 wann die kind Samuel vnd Daniel habend gevrtailt die priester.


7 Vnd darumb werden auss genomen als wir gesprochen haben die. die dÿ Abttessin mit höcherm ratt auss gewissen sachen hat für gestellt oder abgeseczt. dÿ andern all sein also. als sÿ becherdt werden.


8 Alss mit ebenpilt. wer in der andern stundt des tags kumpt in das Chloster. die wiss sich Junger zesein der selben. die in der ersten stundt des tags komen est. wellichs (151v) alters oder wirdigkait sÿ seÿ.


9 Aber den kinden vor allen dingen werd von In allen die zucht gehalten.


10 Darumb die Jungen eren die Öbern. die Öbern haben lieb Ir Jungen.


11 Aber in der nennung der namen. chainer seÿ erlaubt die ander mit plossem namen ze nennen.


12 sonnder die Öbern nennen Ir Jungen swestern. Aber die Jungen haÿssen Ir Öbern muetter. das verstanden wirt muetterliche er151.


13 Aber die Abttessin wann sÿ die stat Christi in dem Chloster verwest als man glaubt. werd gennant fraw vnd Abttessÿn.152 nicht von Irer auffnemung. sunder in der er vnd lieb Christi.


14 Aber sÿ gedenckh vnd sich also erpiett. das sÿ wirdig seÿ sölicher er.


15 Aber überall153 wo die Swestern yen begegend. so beger die Jung von der Öbern den segen.


16 Wann die grösser fürgeet. so stee die mynder auff vnd geb Ir stat zesiczen. vnd sol auch nicht thuren zw Ir nÿder siczen. nur es gepiedt ir die Elter.


17 das erfült werd das geschriben steet. Mit er furchömend aneinander.


18 Die chlainen kind oder die Jungen in dem petthaus oder an dem Tischs. sullen mit zuchten Ir<e>r ordnung behalten.


19 Ausswendig aber oder über154 all. haben sÿ hütt vnd zucht. vncz das sÿ zu verstentigem alter kömen.


Notes to Chapter 63.

151. 63:12. A very important sentence for the significance of gender and title. The Lat RSB: nonnos. . . , quod intelligitur paterna reverentia, has been rendered into English as "nonnus, which is translated as 'venerable father'" (RB1980), 179). This translation seems to cry out for another translation! Altbg states the matter much more simply: "The juniors call their seniors mother, by which is understood [that they accord them] motherly honor."

152. 63:13. Another signal sentence in this chapter, in that the editor ventured to state that an abbess, i.e., a female religious, could indeed take the place of, i.e., represent, "stand in" for Christ in the monastery. And it furthermore declares that she would be addressed as "lady and abbess", to be understood as "Lady Abbess" (corresponding to "Lord Abbot", or "Herr Abt").

153. 63:15. Umlaut "v".

154. 63:19. Umlaut "v".



[Chapter 64]


Von der Ordnung der Abttessin. das lxiiii Cap<itel>.


1 IN der Abttessin ordnung werd albeg gemerckht die vernufft. das die werd geseczt. die Ir dÿ gancz ainhellig sampnung nach der forcht gottes. oder auch ein klainer taÿll der sampnung mit pessern ratt erwelt.


2 Aber nach der verdienung des lebens vnd nach der ler der weÿsshait werd erwelt die zeorden ist. auch ob sÿ die lest ist in dem orden der sampnung.


3 Vnd ob auch die gancz sampnung mit Iren lastern. das doch (152r) nit seÿ mit geleichem rat erwellen ein mitthellige person.


4 vnd die selben lastern in ettleicher weÿss chomen in erchantnuss des Bischolfs zu des pistum die stat gehört. oder den Äbbten155. oder der nachsten christen offenwar würden.


5 die weren. das der pöss will icht fürgee. sonnder seczen dem goczshaws ain wirdige verweserin.


6 wissend sich vmb das enphachen werden ein gutten lon. ob sy es in rechter maÿnung vnd in der lieb gots thuent. Als herwider. thund sy ein sund. ob sy es versawment.


7 Aber die geordent Abttessin gedenckh. welliche pürd sÿ enphangen hab. vnd wem sy raittung werd geben Irer schaffereÿ.


8 vnd wiss sich müssen mer nucz sein dann vorsein.


9 Darumb muss sÿ gelerd sein in den gottleichen geseczen. das sÿ wiss vnd seÿ. wie sÿ fürpring das new vnd das alt. Chaÿschs. nücht. parmherczig.


10 vnd albeg über156 höch sÿ dy parmherczigkait dem gericht. das sÿ des selbig erlang.


11 hass die laster. hab lieb157 die Swestern.


12 Aber in der straffung wurch sÿ weÿsleich. vnd nit ettwas zeuil. das sÿ nit zeuil begerd ab zeschaben den rost. das zeprochen werd das vass.


13 Vnd Irer aignen chranckhait sey albeg verdacht. vnd gedenckh den schutten halm nit zeriben werden.


14 In wellichen dingen wir nit sprechen. das sÿ lass wagsen die laster. sunder weÿsleich. vnd mit der lieb abschlach. als sy sicht einer ÿegkleichen nucz sein. als wir yeczund gesprochen haben.


15 vnd fleÿss sich mer lieb gehabt werden. dann gefürcht158 werden.



16 Nit seÿ sÿ zeuil betruebt vnd ängstig. vnd nicht zehertt. nicht seÿ zeuil liebhaberin159 vnd ze vast arckwännig. wenn sÿ geruet nymmer.


17 In den Iren gepotten seÿ sÿ fürsichtig vnd merckig. es seÿ nach got oder nach der (152v) welt. Die werich die sÿ auff legt. beschaid vnd mass sÿ.


18 gedenckh die beschaidenhait des heyligen Jacobs sprechund. Ob ich mein hert in dem gang mer thue arbaitten. so sterben sÿ all In ainem tag.


19 Darumb dise vnd andrew zeugnuss der beschaidenhait ainer160 mueter der tugenden nem sÿ. also temperÿer alle ding. das vnd die starckhen seÿen die es begeren. vnd die kranckhen nit fliechen.


20 Vnd vor allen dingen. das sÿ die gegenwürtig Regel in allen dingen behalt.


21 auff das wenn sÿ woll gedient hat. das sÿ hör von dem herren. das die gut dieneren die auss getailt hat den waÿcz Iren mit dienerin In irer zeÿtt.


22 Fürwar sag ich euch spricht er. über161 alle seine güetter wirt er seÿ seczen.


Notes to Chapter 64.

155. 64:4. Is the editor of the Altbg Rule appealing here emphatically to the role of male religious superiors in treating extreme cases, or is the dative plural den Äbbten being used in an inclusive, common gender sense to imply "den Äbten und Äbtissinen", as would also den nachsten christen, i.e., laymen and laywomen? Cf. Chapter 60, 62.

156. 64:10. Umlaut "v".

157. 64:11. Lat RSB diligat:: Altbg hab lieb. The idiom of South German around 1500 needs to be consulted, to see if the distinction between the idiom "lieb haben" versus the straight verb "lieben" pertains as it does in ModStG. If so, Altbg hab lieb does not render diligere literally, but attenuates somewhat its meaning.

158. 64:14. Umlaut "v".

159. 64:16. In conjunction with the note on hab lieb in 64:11, one should also study the use of Altbg liebhaberin to render Lat RSB zelotipus (var zelotypus).

160. 64:19. The Altbg editor makes an interesting word choice in selecting the indefinite over the definite article, as, of course, neither article can be provided in the original Lat RSB, matris virtutum. RB1980 opts for use of the definte in English, "the mother of virtues" (283).

161. 64:22. Umlaut "v".



[Chapter 65]


Von der pröbstin des klosters. das lxv Capitel.


1 ES geschiecht doch offt das durich die ordnung der Pröbstin swär ergernuss in klöstern auff geent.




2 wann es sind ettleich mit dem pösen geÿst der hochfardt erplät. schäczen sich die andern Abttessin zesein. nemend sich an wuttreichait. nerend ergernuss. vnd machent khreig in der sampnung.


3 Vnd aller maÿst an den stetten. wo die Probstin von dem Priester oder von den Abtten. die dÿ Abttessin ordnent. von den selben auch die Pröbstin wirt geordnent162.


4 Wie törleich das sey. wirt leicht erfunden. wann von dem anfangh der ordnung. wirt Ir geben vrsach der hochfardt.


5 wenn Ir geratten wirt von Iren gedenckhen. das sÿ auss genomen seÿ von dem gewalt Irer Abttessin.


6 wann sÿ von den selben geordent ist. von wellichen auch die Abttessin.


7 Aus dem werden erchuckht. neÿd. krieg. zorn. nachredung. veindschaft misshellung vnordlichkait.


8 Vnd wenn in selber (153r) widerwertige ding die Abttessin vnd die Pröbstin enpfinden. so werden Ir selen vnder diser mishellung pracht in ein verderben.


9 vnd die vnder In sind. wann sÿ zusmaÿchen163 den taÿlen. so geent sÿ in die verlust.


10 Wellichs übel164 der verderbnuss anschaut die am haubt. die sich sölicher ding in der ordnung habent gemachtt vrsacher.

11 Darumb fursechen wir nucz zesein durich des frids vnd der lieb hut willen. In der Abttessin gewalt stee die ordnung Ires kloster.


12 Vnd ob es mag gesein. so werd durich die Techantin geordent. als wir vor geseczt haben aller nucz des klosters als die Abttessin schickht


13 das sich aine nicht erheb wann man es mannigern enpfillicht.


14 Ob es aber die stat vodert oder die sampnung begert beschaidenleich die diemüetigkait vnd die Abttessin schäczt es seÿ nuczper165


15 wen sÿ166 erwelt mit dem rat der Swestern die got furchten die selbig secz sÿ Ir zu einer Pröbstin.


16 Welliche Pröbstin doch wurckh mit erwirdigkait alles das Ir von Irer Abttessin enpholhen wirt. Wider der Abttessin willen oder ordnung thu nichts nicht


17 wann als167 vil sÿ über168 die andern ist. als vil muss sÿ mit fleÿss behalten die gepot der Regel


18 Welliche Probstin ob sÿ lästerig erfunden wurd. oder betrogen mit übermuet169 der hochfart. oder ein versmächerin der heiligen Regel wurd bewärd. die werd ermandt mit worten zw viermalen.


19 Ob sÿ sich nicht pessert. so werd Ir zue gefuegt straffung reglischer zucht.


20 vnd ob sÿ sich also aber nicht pessert. dann so werd sÿ abgeworffen von dem orden der probsteÿ. vnd ein andrew die wirdig ist werd an Ir stat geseczt.


21 Vnd ob sy auch darnach in der sampnung ruig vnd gehorsam nicht ist. so werd sÿ auch von dem klos (153v) ter auss getriben


22 Doch gedenckh die Abttessin sich von allen Iren gerichten got raÿttung zegeben. das nicht villeicht die flamm des neids oder des zorns prenn die sell.


Notes to Chapter 65.

162. 65:3. It is important to follow the gender distinctions carefully in this passage. It would also be important to research the appropriate liturgical books regarding the service de ordinatione abbatis (abbatissae) to discover the distinction between de benedictione/ de ordinatione, taking into account all pertinent ramifications for the sacramental theology of the time (1500 A.D.).

163. 65:9. Etymology: Lezer lists MGH smeichen for ModStG "smeichein", to flatter.

164. 65:10. Umlaut "v".

165. 65:14. Etymology: Lexer lists MHG nutzebaere (nützbaere), for ModStG nutzbar.

166. 65:15. Lat RSB abbas rendered in Attbg simply by pronous sÿ (= sie, die Abtissin). Cf relevant footnotes in Hanslik 2 ed, 169, ciritical apparatus to 65:15 (abbas)

167. 65:17. A space of 3-5 characters left in ms. between als and vil.

168. 65:17. Umlaut "v".

169: 65:18. Umlaut "v".



[Chapter 66]


Von der portnerin des Chlosters. das lxvi Ca<pitel>.


1 Zv der porten des Chlosters werd geseczt ein weÿsew altrew Swester. die da chunn anttwurdt nemen vnd wider geben. der sittigkaitt seÿ nicht verheng vmblawffen.


2 Welliche portnerin sol haben ein zell peÿ der Porten daz die khömenden sey albeg gegenwürtig finden. von der sÿ anttwurt nemen.


3 Vnd zehandt wenn ettwar anslecht. oder der arm ruefft. so anttwurd. got seÿ gelobt. oder gesegen.


4 vnd mit aller senfmüetigkait der forcht gots geb antwurd eÿlund mit inhicziger lieb.


5 Ob der selbig portnerin hilff bedarff. so nem ein Jungew Swester.



6 Aber das kloster ob es gesein mug soll also gepawdt werden. das alle notturft. das ist. wasser. mül. garden. pfister. oder manigerlaÿ hanntwerich. inwenndig in dem kloster werden geübt.170.


7 das nicht nottdurfft seÿ den Chloster Junckfrawen auss dem kloster zegeen. wann zemal ist es nit nucz Iren selen.


8 Aber dise regel wellen wir öffter in der sampnung gelesen werden. das kaine der swestern von vnwissenhait sich entschuldig.


Note to Chapter 66.

170. 66:6. Umlaut "v".



[Chapter 67]


Von den Swestern die an dem weg sind. das lxvii. Capitel.


1 DIe Swesters die an dem weg gesendt werden. die enphelhen sich dem gepett aller Swestern oder der Abttessin.


2 Vnd albeg zw dem leczten gepett des gocz dienst werd Ir aller gedacht die auss wenndig sind.


3 Aber dÿe widerkhömenden Swestern von dem weg. des selben tags zw allen frön tagzeitten wenn der gots dienst beschlossen wirt. streckhen sich (154r) auff die erd in dem petthaws.


4 begeren des gepets von In allen durich die Missetat. das nicht villeicht begegen ist an dem weg von dem gesicht. oder von dem hören eins pösen dings. oder einer müssiger red.


5 Vnd Ir chaine thur den andern sagen. was sÿ ausserhalb des Chlosters gesechen oder gehordt habent. wann das ist grossew ergerung.


6 Welliche aber das thut. die vnderlig. reglischer rach.


7 Des geleichen auch welliche gethar171 auss geen die besliessung des klosters. oder ettwo hingeen. oder ettwas ichts wenigs thun an haissung der Abttessin.


Note to Chapter 67.

171. 67:7. Gethar (getar) < turren (türren), to dare. Cf 67.5


[Chapter 68]


Ob der Swester vnmügliche ding enpholhen werdent. das lxviii Capitel.


1 WEllicher Swester villeicht sware ding oder vnmügliche enpholhen werdent. die nem das gepot der pietterin auff mit aller senfftmutigkait, vnd gehorsam.


2 Vnd ob sy siecht die purd des wercks zemal über172 treffen dÿe mass irer krefften. so legs fur irer obristen gedultigleich vnd bekömleich die sach Ir<e>r vnmacht.


3 nicht mit hochfart oder widerstrebund oder mit wider sprechen.


4 vnd ob nach Irer auss red. der öbristen geschäfft in Irem vrtail behert. so wiss die Jung das es Ir also nucz ist.


5 vnd auss der lieb hoff // // und173 von der hilff gotts sey gehorsam.


Notes to Chapter 68.

172. 68:2. Umlaut "v".

173. 68:5. The codex shows a subscript double slash after hoff which is written at the end of one line, and another such slash at the beginning of the next line which begins with und. This seems to be a hypenated present participial construction, Altbd hoffund (i.e.NHG hoffend) expressing Lat confidens.



[Chapter 69]


Das In dem Chloster aine die ander nicht beshirm. das lxviiii Ca<pital>.


1 ES ist zuuermeyden In dem Chloster das von chainer vrsach thür ain Swester die ander beschirmen oder bedeckhen174.


2 In wellicherlaÿ frewntschafft sy Ir zu gepurd.


3 Noch in chainerlaÿ weÿs werd das turstigkleich von den Swestern gethan. wann dauon die swärist vrsach der ergernuss may ersteen.


4 Vnd ob ettwär dicz würd über175 tretten. die werd scherff (154v) leicher beczungen.


Notes to Chapter 69.

174. 69:1. The simple and direct stylistic Germanic elegance of the Altbe parallel verb construction beschirmen oder bedeckhen cannot be overlooked, as one compares the rather delayed Lat RSB syntax with many intervening words: defendere...aut quasi tueri.

175. 69:4. Umlaut "v".



[Chapter 70]


Das chaine gethur die Andern slachen. das lxx. Capitel.


1 DAs Im Chloster werd gewerdt alle vrsach der durstigkait.


2 So orden wir vnd sezen das khainer erlaubt seÿ ettleicher Irer Swestern zepannen oder zeslachen. nur allain wellicher. der gewalt von der Abttessin geben ist.


3 Aber die sündenden werden von In allen gestrafft. das die andern forcht haben.


4 Aber den kinden vncz auff das fünffczehent Jar ires allters. sol der fleÿss vnd die pfleg der zucht von In allen zue gelegt werden.


5 Vnd das doch mit aller mass vnd vernufft.


6 Wann welliche an der Abttessin geschefft. oder an den kinden an beschaidenhait erczundt wirt. die vnderlig der reglischen zucht.


7 Wann es ist geschriben. Das du dir selber nicht wilt geschechen. das thue dem andern nicht.



[Chapter 71]


Das die Swestern gegen einander gehorsam sein. Das. lxxi Capitel.


1 DAs gut der gehorsam ist nicht allain der Abttessin zu erpietten. sunder auch die Swestern sein inselber an einander gehorsam.


2 wissend das sÿ durich den weg der gehorsam geen werden zu got.


3 Darumb lassen wir vor das gepot der Abttessin oder den Pröbstin. die von In geseczt sind. den wir nicht chain besunder gepot für lassen seczen.


4 darnach die andern all die Jungen sein gehorsam Iren eltern mit aller lieb vnd sorgfeltigkait.


5 Ob aber aine kriegischs erfunden wirt. die werd gestrafft.


6 Ob aber ein Swester vmb wellicherlaÿ minstew176 sach von der Abtessin. oder von wellicher Irer obristen. in wellicherlaÿ weÿs wirt gestrafft.


7 oder ob sÿ enpfindt das gemüt einer ÿegleichen öbristen leichtleich wider sich erzürnt. (155r) oder bewegt. wie chlain das ist.


8 zw hannt an vnderloss streckh sich auff die erd. vnd lig als lang vor Iren fuessen in pesserung. vncz das der zorn mit dem segen gesenfft werd.


9 Welliche das versmächt zethun. so vnderlig sÿ aintweder leiplicher rach. oder ob sÿ widerspänig ist. so werd sÿ von dem kloster auss getriben.


Notes to Chapter 71.

176. 71:6. Lat RSB minima as rendered by Altbg minstew should be investigated as to etymology (lexicon) and superlative degree of adjectival expression (grammar).



[Chapter 72]


Von der guetten eÿffrung dÿ die Swestern sullen haben. das lxxii ca<pitel>.


1 Als da ist ein pöse eÿffrung der pitterchait die von got schaÿd. vnd fürt zu der hell.


2 also ist ein gutte eÿffrung dÿe da schaidt von den vntugenden. vnd fürt zu got. vnd zu dem ewigen leben.


3 Darumb dÿse eÿffrung üben177 die Chloster Junckfrawen mit Innhicziger lieb.


4 das ist. das sÿ mit eren an einander fürkömen.


5 Ir kranckhaiten178, es sey der leib oder der sitten. sÿ gedultigkleichist leÿden.


6 dÿe gehorsam instreitleich erpietten.


7 Chaine gee nach das sy Ir nucz vrtailt sunder mer das einer andern.


8 Swesterleiche mÿnn erpietten mit khewscher liebung.


9 Gott fürchtent.


10 Ir Abtessin mit lauter und dÿemüetiger lieb179, liebhabent sÿ.


11 Christo zemal nichts für seczen.


12 der vns mit einander fürdt zu dem ewigen leben. Amen180.


Notes to Chapter 72.

177. 72:3. Umlaut "v".

178. 72:5. Comma precedes the concessive clause beginning, "es sei (denn). . . .", much as in equivalent ModStG syntax.

179. 72:10. Comma here seems to indicate pause rather than syntactic marker.

180. 72:12. While the amen does not appear in the text of the critical Lat RSB edition, it does occur as a var in several mss.



[Chapter 73]


Von dem. das nicht alle behaltnuss der gerechtigkait in diser Regel is geseczt. Das lxxiii Capitel.


1 DIse Regel haben wir geschriben das wir die haltundt in den Chlöstern zaÿgen vns in ettleicher weÿs. doch haben ein erberkait der sitten oder ein anfang der wandlung.


2 Aber welliche eÿlt zu der volkömenhait der wandlung. so seind ler der heiligen vattern. wellicher behaltung fürt den menschen zu der höch der volkömenhait.


3 Wann welliche geschrifft. oder welliche red der gottleichen aufsaczung der alten vnd newen Ee181 ist nicht dÿe (155v) gerechtist ler des menschleichen lebens.


4 Oder wellichs puech der heiligen Christleichen vättern dicz nicht erhilt. das wir mit rechtem lauff kömen zw vnserm schöppher.


5 vnd auch die Collaczen der vättern vnd Ir saczung vnd Ir leben. Sunder auch die Regel vnsers heÿligen vaters Basilÿ.


6 Wass sind die anders. nur gezeug der tugenden der wollebenden (marg. vnd gehorsamem swestern.


7 Aber vns tragen vnd die nicht eins guten leben sind)182 vnd sawmigen ist ein scham der schentnuss.


8 Darumb welliche du eÿlst zu dem hÿmellischen vatterlannd. volpring mit helffunden Christo dise chainigstew geschriben Regel der anhebung.


9 Vnd dann zelest zu grössern höchern der ler vnd der tugenden mit beschirmenden got wirdest dw kömen. Den thuenden dise ding. werdent geoffent dÿe Öbristen reich. Amen.183


Notes to Chapter 73.

181. 73:3. ë = law, testament (Gesetz).

182. 73:7. The marginal gloss compensates for a relatively lengthy omission between wellebenden and vnd sawmigen. It further shows six carets indicating the material for insertion, as well as a brace created by a flourish extending off the v of vnd.

183. 73:9. The Altbg Rule concludes the last sentence of the last chapter of its version of the Rule using the var conclusions of several mss. It follows the Lat varr readings for: facientibus haec regna superna patebunt, amen.



[Table of Contents]


Die Rubrickhen der Capitel. der Regel des heÿligen vatter Sand Benedicten.184


.i. Von den vier geschlechten der Geystlichen Junckf<rawen>.

.ii. Wer die Abttessin soll sein.

.iii. Von der vodrung der Swestern zu dem Ratt.

.iiii. Von dem Zewg der guetten werich.

.v. Von der gehorsam.

.vi. Von dem Still Sweigen.

.vii. Von der Dÿemüetigkhaitt.

.viii. Von dem Goczs dienst zu der nacht.

.ix. Wieuil psalm sullen gesprochen werden zu der Metten.

.x. Wie In dem Sumer die Metten werden begangen.

.xi. Wie die Metten an dem Suntag werd begangen.

.xii. Wie die Laudes begangen sullen werden an dem suntag.

.xiii. Wie man die laudes an dem werichtag begeen sol. (156r)

.xiiii. Wie man die Metten an der heiligen hochczeit begangen werden sold.

.xv. Wenn man das Alleluia. sull sprechen.

.xvi. Wie der gots dienst beÿ dem tag werd begangen.

.xvii. Wieuil psalm sein zesprechen zu der tagzeitt.

.xviii. Nach wellicher ordnung die psalm gesprochen sullen werden.

.xix. Von der zucht des gesangs.

.xx. Von der wirdigkait des gepets.

.xxi. Von der Techantin der Chlosters.

.xxii. WIe die Chloster Junckfrawn sullen schlaffen.

.xxiii. Von der pesserumb des pann.

.xxiiii. Welliche sull sein die mass des panns.

.xxv. Von den Swärern schulden.

.xxvi. Von den die sich an geschäfft der Abttessin zue fugen den gepannten.

.xxvii. Wie die Abttessin sorgsam sey vmb die gepannten.

.xxviii. Von den die offt gestrafft werden. vnd sich nicht pessern wellent.

.xxviiii. Ob die Ausgeunden Swestern vom kloster sullen widerumb auff genomen werden.

.xxx. Von den kindern des Mindern alters wie die gepessert werden.

.xxxi. Von der Chelnerin des klosters wer die sein soll.

.xxxii. Von dem eÿsenczeug. vnd von andern sachen des klosters.

.xxxiii. Ob die Swestern icht aÿgens sullen haben.

.xxxiiii. Ob sÿ all geleich die notturft sullen nemen.

.xxxv. Von der wochnerin der kuchen.

.xxxvi. Von den Siechen Swestern.

.xxxvii. Von den allten und von dem Jungen.

.xxxviii. Von der wochen leserin.

.xxxix. Von der mass der Speys.

.xl. Von der mass des Trinckhens.

.xli. Zw welhen zeitten die Swestern sullen essen.

.xlii. Das nach der Complet nÿemand red.

.xliii. Von den die zw dem Gots dienst. oder zu dem Tischs trägleich chomen.

.xliiii. Von den die gepanndt werden wie sy genut thun. (156v)

.xlv. Von den die vnrecht singen oder lesen in dem petthaws wie sÿ genug sullen thun.

.xlvi. Von den die an chlainen sachen vnrecht thuen.

.xlvii Von der verkunndung des dienst gots.

.xlviii. Von den Tegleichen werchen der hennd.

.xlviiii. Von der behalltnuss der vasten.

.l. Von den Swestern dÿ verr vom185 Gotshaws arbaitten. oder auff dem weg sind.

.li. Von den Swestern die nicht verr auss geen.

.lii. Von dem Petthaws. des klosters.

.liii. Von der enphachung d<er> Gest.

.liiii. Dass die Swestern nicht In nemen brieff oder anderlay ding.

.lv. Von dem gewanndt der Swestern.

.lvi. Von der Abttessin tischs.

.lvii. Von der werichlewtten des klosters.

.lviii. Von der zucht der enphachung der Swestern186

.lviiii. Von den kinden der edeln oder der armen die geopphert werden in das kloster.

.lx. Von den Priestern die In dem kloster wellen wonen.

.lxi Von den frömden Chloster Junckf<rawen>. wie sy enphangen werden.

.lxii. Von den Priestern des Chlosters.

.lxiii. Von der Ordnung der Sampnung.

.lxiiii. Von der Ordnung der Abttessin.

.lxv. Von der Pröbstin des klosters.

.lxvi. Von der Portnerin des klosters.

.lxvii. Von den Swestern die an dem weg sind.

.lxviii. Ob der Swester vnmügleiche ding enpholhen werdent.

.lxix. Das in dem kloster aine die ander nicht beschirm.

.lxx. Das chaine gethur die ander slachen.

.lxxi. Das die Swestern gegen einander gehorsam sein.

.lxxii. Von der guetten eÿffrung die dÿ Swestern sullen haben.

.lxxiii. Von dem. das nicht alle behaltnuss der gerechtigkait in diser Regel ist gesecztt.


Notes:

184. Index: Title. This section, entitled Capitula Regulae or "Chapter (Titles) of the Rule," is located between the Prolog and Chapter One in the Lat RSB critical edition. The Altbg editor, regarding it perhaps as a index for reference rather than a preview, places these headings as back matter rather than front matter in the Codex.

185. Index:50. Codex shows the letters "vo" with a nasal bar over the vowel.

186. Index:58. This rubric without benefit of punctuation in Codex.




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Rev. 991209 / www.osb.org/aba/rb/feminine/altenburg/altenburg3.html